13.11.2020 | Warum Ultra? Mein Weg zum ersten 160er. (Ein Erfahrungsbericht von Dennis Götze)

von | Nov 13, 2020 | Aktuelles | 1 Kommentar

 

Als ich Martin das erste Mal von meiner Idee für den Herbst erzählt habe, wollte er zwei Sachen von mir wissen. Warum Ultra? Und sag mir was du bei/ab km 100 denkst? Aber wir wollen ja nicht vorgreifen.

Wie bin ich auf die Idee gekommen 160 km zu laufen?
Um das zu erklären muss ich ein wenig ausholen. Sommer 2018 Koh Phi Phi (Thailand), beim Entspannen in der Hängematte sind mir einige Bilder vom Zugspitz Ultratrail über den Weg gelaufen. Mein Gedanke cool, da will ich auch hin. Streckenlänge erstmal noch unsicher, einfach nur mitmachen. Ich hatte mich letztendlich für die 100km entschieden. Anfang 2019 dann die Hiobsbotschaft gereizte Achillessehne, nicht schön. 2 Monate Pause mit ein bisschen Radfahren. Ergebnis, schweren Herzens dann meinen Startplatz verkauft. Ich hatte für den Herbst noch einen kleinen und gemütlichen 6h-Lauf im Kalender, dieser war allerdings kein ebenbürtiger Ersatz (das gewisse Etwas hat gefehlt), also habe ich gesucht und bin fündig geworden.
April 2020 – Costa Brava Stage Run – 3 Tage 128 km und ein paar Höhenmeter.
Das Ziel war klar, fit werden und 3 Tage ballern. Bis Ende Juli war ich auch soweit wieder voll im Soll, Beine wieder fit, Tempo passte wieder, Long Runs liefen auch wieder. Bis ich dann einen stechenden Schmerz im Fuß hatte. Hiobsbotschaft Nr. 2: Ermüdungsbruch am Zehenansatz. Ausfall 2,5 Monate. 6h Lauf ade, 3 Tage ballern ade.
Absagen wollte ich den Lauf aber nicht, bis dahin sollte ich wieder halbwegs fit sein und entsprechend den Lauf machen können. Wird trotz allem lustig. Wer sich die Videos anguckt, weiß was ich meine.
Also das Spiel wieder von vorne. Locker anfangen zu laufen, bisschen Rad und dann wird das. Über Anfang 2020 muss ich glaube ich nicht viel reden. Der Lauf wurde entsprechend vorerst auf Oktober 2020 verschoben. Cool, doch die Chance 3 Tage zu ballern und vielleicht auf die Treppe zu kommen. Allerdings habe ich mir mit Anhalten der Situation bis in den Juni schon Gedanken um eine Alternative gemacht. Die Richtung war klar, eine 1 sollte vorne stehen und 3-stellig. Als dann im August die finale Absage für den CBSR kam, war klar jetzt kommt was in Eigenregie. Warum? Körper und Geist brauchten nach 2019 einen Abschluss, außerdem hätte es im April was zu feiern gegeben, 5 Jahre des Laufens.
Meinen Trainingsplan musste ich nicht anpassen. Lang, langsam und ordentlich Höhenmeter hatte ich schon drin stehen. Also nächster Punkt, Strecke. Rundkurs mit mehreren Runden, Punkt zu Punkt oder eine große Runde. Ich habe mich für eine große Runde mit ein bisschen extra entschieden. Es sollte ins Siegerland auf den Siegerland Höhenring mit 141 km und ca. 3300 hm gehen. Ok, auch einen Haken dran, was als nächstes? Ich brauche eine Crew, zum einen für die Verpflegung und als Begleitläufer, da es lang wird und ich durch die Nacht laufe. Also bei der Fit2Run-Crew nachgefragt und immer nur ein Ja gehört, Tim ist gefühlt vom Stuhl gefallen. Läufer und Verpflegungscrew für den Abend und die Nacht waren am Start. Für den Tag habe ich meine Eltern gefragt. „Na klar machen wir das!“. Ich glaube, so ganz wussten die nicht was auf sie oder mich zu kommt. Ok, ich wusste es auch nicht.
Das Training schritt weiter voran und mir wurde klar, es gibt kein Zurück. Aber warum auch, ich bin körperlich fitter denn je und mental auch voll bereit. Dann war der Tag gekommen. Am 2.10. bin ich schon mal vorab mit meinen Eltern ins Siegerland gefahren, um nachts nicht so früh raus zu müssen.

Um 4:00 klingelte der Wecker. Aufstehen, waschen, Porridge machen, kleines Frühstück für die Fahrt machen, dann noch mal in Ruhe Tee trinken und bisschen lesen. Um kurz vor Sechs sind wir dann losgefahren.

Samstag, 3.10.20, 6:40 Startschuss. Da vorne links runter, doch nicht, umdrehen und durch das Tor am Start, abgeschlossen. Ok, da vorne kann ich das Stück umlaufen, Start klappt ja schon mal.
300m weiter dann erstmal Schrecksekunde. Was ist das für ein Geräusch auf mal? Puh, zum Glück nur Wasser, was da vor sich hin plätschert. Warum habe ich das nicht früher gehört? Naja egal. Direkt zu Beginn 1km Trail Aktion, gefolgt von einem herrlichen Sonnenaufgang, den ich lange genießen konnte. (Kurzer Einschub: Ich finde Sonnenauf- und Sonnenuntergänge herrlich und an dem Tag konnte ich beides in der Natur an einem Tag erleben.) Wieder zurück zum Lauf, meine Strategie für den Tag war bergauf, sobald es sich anstrengend anfühlt, zu gehen. Den Plan habe ich auch genauso durchgezogen. Wie zu erwarten verging die erste Etappe wie im Flug, am Verpflegungspunkt kurz Wasser auffüllen, Gels einpacken, Banane essen und weiter geht’s.
Da die Sonne schön rausgekommen ist, Sonnenbrille auf und Stirnband rausholen. Fuck! Wo ist mein Stirnband? Ich habe das doch eingepackt. Gefühlt eine Stunde lang die Tasche durchsucht und endlich gefunden. Jetzt kann es losgehen. Gesagt, getan und ab hier ging es dann wirklich los, Schild sagt „links lang“ und Uhr sagt „geradeaus“. Die Schilder kennen sich bestimmt hier aus. Gute Entscheidung. Zwar ordentlich Streckenabweichung, aber passt schon. Flott noch einmal den Ottoturm hoch und die mega Aussicht genießen. Weiter zum Druidenstein und siehe da wieder auf der Strecke. Läuft. Die Frage, ob ich der Streckenbeschilderung oder der Uhr folge hat mich die nächsten Etappen noch weiterverfolgt. Nachdem ich nochmal entschieden habe den Schildern zu folgen, habe ich das diesmal bereut. Ok, kein Thema, dank Handy-App habe ich den Weg dann etwas angepasst, um nicht zurücklaufen zu müssen. Zwischenzeitlich habe ich angefangen ein Hörbuch zu hören, lenkt mich etwas vom Schilderwahn ab. Dann kam innerlich die Frage „Wann sind wir da?“, „Ist nicht mehr weit, gleich gibt’s Frühstück.“ Aus strahlendem Sonnenschein ist mittlerweile stark bewölkt mit bisschen Nebel geworden. And then finally breakfast, die Zweite. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon ca. 6 km (45km statt 39km) mehr als geplant auf der Uhr. Meine Eltern haben mir Wasser und Tee in Flaschen gefüllt und ich habe mein Porridge gegessen.
Frisch gestärkt ging es dann auf die dritte Etappe. Apropos frisch, da es sich noch mehr zugezogen hat, habe ich mich für meine Jacke entschieden. Gute und weise Entscheidung, es fing dann zwischenzeitlich ordentlich und lang an zu regnen. Hörbuch war nicht mehr das Richtige, also habe ich auf Podcast gewechselt, nach einer wunderbaren Folge des Wechselzone Podcast habe ich die Kopfhörer dann erstmal wieder weggepackt. Neben schönen Trails und entsprechender Fun-Time hat mir diese Etappe auch mein erstes Tief beschert. Warum? Dreimal dürft ihr raten. Wie sollte es anders sein, Uhr sagt da lang und Schild sagt da lang. Zur Körnung des Ganzen noch seit geraumer Zeit Dauerregen. Tief durchatmen, kurz unter den Baum stellen, tief durchatmen, Chew rein. Ok, ich brauch jetzt Musik. Kopfhörer raus, vorbereitete Playlist mit persönlichen Favoriten gestartet, tief durchatmen und weiter geht’s. Stimmungswechsel innerhalb von ein paar Minuten. Die nächsten 6 km vergingen wie im Flug, bisschen durch die Gegend blödeln. Der Versuch mit einem eleganten Sprung über eine große Pfütze zu kommen, ging leider in (bzw. an) die Hose. Stehen bleiben, Stöcke platzieren und rüber. Mein linker Fuß hatte andere Pläne. Trail ist ja auch nicht Trail, wenn man durch Regen läuft und sauber bleibt. Aufstehen, kurz Hände sauber machen und weiter. Am nächsten VP angekommen waren die ersten 70 km und 9:25 h um. Hier wartete auch Jonas auf mich, als erster Begleitläufer. Abklatschen bzw. abfausten mit Jonas, kurz den Wasserhahn aufdrehen lassen (leichte Verwirrung, bis ich meine Hände gezeigt habe), essen (Porridge schmeckt immer noch), Vorräte und Trinken auffüllen, schnell noch was auf die Hand und los.
Jonas wollte direkt loslaufen, ich sagte nur locker bleiben (war noch am Essen und ging bisschen bergauf 😉). Anfangs hatten wir noch leichten Regen, aber der hörte schnell auf und wir konnten den schönen Ausblick genießen. Einfach herrlich, leichte Nebelfelder, die durch das Tal zogen, zwischendurch ein kurzer Trail und ordentlich quatschen. Auf halber Strecke ein Übergang mit Stufen (denken die nicht an Ultraläufer, zum Glück habe ich noch frische Beine), aber egal. Die Zeit vergeht wie im Flug und schon sind wir an der Siegquelle. Parkplatz suchen und kurz die Vorräte auffüllen und mit Supportteam 2 telefonieren, Zeitverzug lässt grüßen. Und weiter geht’s noch mal kurz zur Siegquelle. Leider kein frisches Siegwasser. Wieder mal leichter Schildwahn. Zum Glück sieht Jonas das auch und ich werde nicht für verrückt gehalten, ich habe jetzt einen Zeugen. Also Kehrtwende Richtung Parkplatz. Zum Glück sind meine Eltern schon weg, dann brauchen wir uns keine dummen Kommentare anhören.
Auch diese Etappe verging wie im Flug. Allerdings lief so langsam die Zeit gegen uns. Nach herrlichem Sonnenaufgang folgte ein wirklich traumhafter Sonnenuntergang. Durch die leichten Nebelfelder in den Wäldern haben sich die Strahlen der untergehenden Sonne wunderschön gebrochen. Nachteil war, wir hatten keine Lampe und in den Wäldern wurde es wie erwartet schon dunkel, aber wir konnten noch ausreichend sehen. Aus dem Wald raus ging es noch an der Straße weiter bis zum nächsten VP. Die Kilometer an der Straße waren von der Sichtbarkeit schon grenzwertig. Am VP angekommen sind wir von Nicole, Martin und Tim, sowie meinen Eltern begrüßt worden. VP? Da war doch was? Ach ja, essen. Nebenbei Trinken und Vorräte auffüllen und ein paar Dinge umpacken, da meine Eltern in den wohl verdienten Feierabend durften. Nachdem sich meine Uhr wieder berappelt hatte, ging es mit Tim weiter auf die nächste Etappe, auch hier musste ich erstmal auf die Bremse treten (Was haben die es alle eilig).
Da wir den Donnerstag vorher Vollmond hatten, diente der Mond als zusätzliche Beleuchtung. Nach den ersten 4 km mussten wir kurz eine Pause machen. Wir ließen gedanklich die Korken knallen, meine ersten 100 km hatte ich hinter mir, wohl gemerkt, mein weitester Lauf vorher war im Mai 2019 mit 72 km, aber wir hatten ja noch ein bisschen was vor uns. So langsam fingen die Beine an etwas schwerer zu werden, aber dass es leicht wird hat ja niemand gesagt. Auch mit Tim habe ich erstmal ausgiebig gequatscht. Der nächste VP war sowohl für Tim und mich wie auch für Martin und Nicole nicht leicht zu finden. Tim und ich sind gepflegt ca. 1-2 km weitergelaufen. Wir dürften uns am Abzweig zwischen Strecke und dem Punkt, wo die beiden gewartet haben, knapp verpasst haben. Aber ist ja noch mal gut gegangen. Kurz wieder alles auffüllen und einen kleinen Snack genehmigen und weiter ging es.
Mittlerweile hatten wir schon fast 22 Uhr, aber was soll ich sagen die Strecke war herrlich, die Luft super und eine ganz neue Erfahrung solange unterwegs zu sein. Inzwischen konnte ich Martins Frage beantworten, was ich ab Kilometer 100 denke: „Schon wieder auf Toilette.“, „Erstmal was essen.“, „Lass mal ein Stück gehen.“ und „Der Nebel nervt etwas.“. Letzteres hat mich wirklich genervt, wer schon mal bei Nebel mit Stirnlampe gelaufen ist weiß was ich meine und die meisten anderen auch, sobald die schon durch den Nebel und Dunkelheit gefahren sind. Zum Glück waren es immer nur kleine Nebelfelder. Auf den letzten Kilometern dieser Etappe mussten wir ein wenig kämpfen. Matsch, viel Matsch. Wie in den meisten Wäldern werden auch hier Bäume gefällt. Der Boden war durch Regen aufgeweicht und Spuren von schwerem Gerät machten es nicht einfacher, teilweise versperrten große Pfützen das einfache Weiterkommen und wir mussten irgendwie an der Seite herlaufen, nach 120 km gar nicht mehr so einfach. Aber auch das haben wir geschafft und sind wohlbehalten mit schlammigen Schuhen am nächsten VP angekommen. Jetzt musste ich mich erstmal hinsetzen und in Ruhe was essen. Kurz ein Selfie im Dunkeln, hat geklappt. Kurze Info von Nicole und Martin über die neugierigen Anwohner. Nach der Stärkung liefen wir es zu dritt weiter, Nicole begleitete uns ab jetzt.
Wie die letzten Male schon war die frische Begleitung wieder sehr eifrig dabei. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht was mich auf den nächsten 17 km erwartet.
Nach den ersten paar Kilometern die erste Herausforderung, Abzweigung verpasst. Also umdrehen oder bisschen querfeldein, da liegt zwar ein Baumstamm im Weg, aber den Weg erkennt man doch. Entscheidung getroffen. Querfeldein. Kurz ein bisschen orientieren und Zack siehe da Originalstrecke wieder unter den Füßen. Natürlich haben wir auf den ersten Kilometern auch erst noch mal ein bisschen über die letzten Etappen gequatscht, aber irgendwie war mir schon bald nicht mehr so viel nach reden. Die Anstiege werden schwerer, Bergablaufen wird auch immer härter, gerade beim Bergablaufen tun die Füße weh, erwähnte ich schon die 0,1% Steigung, die gefühlt mindestens 20% hatten, nach und nach kommt ein leichtes Sodbrennen beim Essen. Ja, da war das erwartete Tief. Nicole und Tim haben ihr Bestes gegeben und mich immer wieder zum Anlaufen motiviert. Nach den ersten paar Metern ging es auch wieder und die beiden konnten sich auch hervorragend ohne mich unterhalten. Für letzteres war ich auch sehr dankbar, mir war nicht nach reden, aber zuhören ging und war eine gelungene Abwechselung zu den schweren und schmerzenden Gliedmaßen. Inzwischen war auch das Zeitgefühl auf der Strecke geblieben. Wie soll ich die nächste Etappe noch schaffen, wenn ich jetzt schon fertig bin? Nein, nicht an die nächste Etappe denken, bleib im Moment, noch x km bis zum VP, dann weiter sehen. Und so schleppte ich mich Minute für Minute, Meter für Meter weiter. Aus Metern wurden Kilometer und selbst ein falscher Abzweig inkl. Retour war mir in diesem Moment egal. Einfach nur zum VP. Ganz simpel. Dann war der Camper in Sicht, endlich. Hier trennten sich die Wege von Nicole, Tim und mir. Martin übernimmt die letzte Schicht. By the way Tim ist 44km gelaufen, vorher ist er bis jetzt nur einen Marathon gelaufen.
Banane und Brot sollte gehen, Süßes wäre schlecht für das leichte Sodbrennen. Wasser vollmachen, Essen einpacken und schon war ich fertig. Während der Pause habe ich irgendwie gar nicht mehr nachgedacht, ob ich noch kann oder nicht. Essen, auffüllen und weiter.
Wie sollte es anders sein, auch Martin war sehr motiviert, erstmal auf die Bremse treten. Reden geht auch wieder. Bergauf und bergab könnte besser sein, aber es geht. Es läuft also wieder mehr oder weniger, aber was soll ich sagen inzwischen bin ich schon 21 Stunden am laufen und super rund ist was anderes. Martin macht seinen Job aber gut, hier bisschen gehen und da wieder bisschen laufen. Was das jetzt? Wind. Ich mag keinen Wind beim Laufen. Warum jetzt? ALTER, es ist fünf Uhr morgens, mitten im nirgendwo, ich habe schon 147 km und 22 Stunden in den Beinen und jetzt Wind. Passend dazu leichter Nieselregen. Naja, was solls, meckern bringt nicht viel, weiter geht’s. Ich hatte meinen Rhythmus gefunden, Martin 2 m vor mir und immer auf die Füße achten und genau dasselbe mit meinen machen. Oh, das kommt mir irgendwie bekannt vor oder nicht, doch auf jeden Fall. Runde geschafft. 154 km statt geplanten 141 km. Aber wo ist der Camper? Kurzes Telefonat und die Sache war geklärt, die beiden sind eine Station weiter gefahren, aber 15 km schaffe ich nicht mehr. (Kurze Info: Plan war es von hier noch 15 km weiterlaufen und anschließend noch mal 4 km) Stehen bleiben und warten ist aber keine Option sonst mach ich 160 km heute nicht mehr voll. Also Martin den Vorschlag gemacht, lass uns einfach die Straße rauf und runter laufen. Gesagt getan einmal Straße rauf, einmal Straße runter. Da sind die beiden mit dem Camper. 3km brauch ich noch. Begeisterung sieht anders aus, sind aber auch alle gerade etwas müde. Straße rauf und rechts ab. 1,5 km to go. Tempo noch mal ein bisschen anziehen, leicht bergauf laufen geht doch noch. Ich kann aber nicht mehr. Also die Kilometer in Bekanntes runterbrechen, klappt immer. 1,2 km noch 3 Runden im Stadion, 800m noch 2 Runden, 400 m eine Runde, das kann doch jeder. Stöcke hoch. I have done it. 160 km. Done. Lauf fertig, jetzt will ich auch nicht mehr, reicht für heute.
Parkplatz suchen, Freuen, Stolz und Fertig. Jetzt kommt einer der letzten großen Herausforderungen: Umziehen. Calf Sleeves wollen nicht, also anlassen, mach ich später (wird auch dann nicht leichter). Fertig umgezogen war es dann erstmal Zeit zum Anstoßen, außerdem wollten wir langsam Richtung Heimat aufbrechen. Nach der Fahrt die letzte Herausforderung, abgesehen vom Ausziehen der Sleeves, aussteigen aus dem Camper und gehen an sich, die Füße waren durch für heute. Zuhause bisschen ausräumen, duschen, Couch, essen, schlafen, essen und wieder schlafen.

So ich bin noch eine Antwort auf die zweite Frage „Warum Ultra laufen?“ schuldig. Vorher aber ein paar Zahlen:

  • Vorbereitungszeit: 16 Wochen
  • Ungeplante Ruhetage: 1×8 Tage und 2×1 Tag = 10 Tage
  • Lauf km: 1971
  • Rad km: 684 (inkl. 1x 180km)
  • Laufdauer: 23:49:05 (20:37:54 in Bewegung)
  • Laufkilometer: 160,06 km
  • Höhenmeter: 3475
  • Ø Hf: 108
  • : 11.923 (ca. 8.000 gegessen)
    • 12 Quetschies
    • 7 Riegel
    • 8 Gels
    • 6 P. Blocks
    • ½ Salzbrezel
    • 3 Bananen
    • Couscous Salat
    • 200g Haferflocken
    • 1 Apfel
    • 500g Salzkartoffeln
    • 1 Toastbrötchen

Ich glaube, das reicht an Fakten.

Warum Ultra laufen? Die Frage hat mich oft auf meinen langen Läufen begleitet, ich hatte ja reichlich Zeit zum Nachdenken. Die Antwort ist nicht einfach. Ich bin schnell zu dem Entschluss gekommen, dass ich die Frage für mich in „Warum laufe ich?“ umformulieren muss.
Warum habe ich das gemacht? Ganz einfach, ich laufe ja nicht jeden Tag einen Ultramarathon. Ich laufe nach wie vor noch gerne mal eine kleine Feierabendrunde, einen langen Lauf am WE, 5km mit anschließenden ich leg hier mal hin, die Kopf-frei-bekommen-Runden, das Wetter-genießen-Runde etc. Wie ihr seht gibt es viele Gründe zum Laufen, also warum laufe ich jetzt? Ich denke, die Antwort ist, dass es keine Antwort gibt. Laufen ist inzwischen so vielseitig für mich, dass ich keinen speziellen Grund anführen kann, warum ich laufe.

Wenn du jetzt denkst ich könnte sowas nicht, dann frage dich doch: Warum kann ich das nicht? Die Antwort ist meistens einfach, der Kopf sagt ich kann das nicht. Ich rede hierbei nicht unbedingt von 160km, sondern auch von 5 oder 10 km oder überhaupt zu laufen. Der Kopf macht das Rennen. Mein Tipp für zukünftige Ziele:

Always dream big

Dennis

PS: Würde ich sowas nochmal machen? Jap, ist schon in Planung.